Gedichte & Geschichten

Geschichte von Fred dem kleinen Braunbären

Vor vielen Jahren lebte in den tiefen Wäldern von Kanada Fred, der kleine Braunbär.

Er war es gewohnt, mit seiner Mutter in den endlosen Weiten der Wälder zu spielen. Fred war ein kleiner, sehr neugieriger Bär. Alles wollte er erkundigen. Eines Tages hörte er über sich einen merkwürdigen Lärm, einen Lärm, wie er ihn noch nie gehört hatte. Fred rannte auf die Waldlichtung. Hoch über sich sah er ein grosses, libellenartiges, im Sonnenlicht glitzerndes Etwas, das einen furchtbaren Lärm machte. In diesem Etwas sass ein Mann und er hatte einen Stock an seiner linken Schulter. Dieser Stock zielte genau auf Fred. Fred hörte plötzlich einen Knall und schon traf ihn etwas schmerzhaft in seiner linken Schulter. Er fühlte wie er müde wurde und langsam sank der auf den weichen, leicht feuchten Waldboden.

Als er wieder aufwachte, reckte und streckte er sich, stand auf und sah sich um. In einem Abstand von nur 5 Metern sah er um sich herum lauter dünne, eng zusammenstehende Metallbäume. Fred war ziemlich verwirrt. Er fing an zu gehen. 5 Meter vorwärts und schlug seinen Kopf an den dünnen Metallbäumen an. 5 Meter zurück und wieder schlug er seinen Kopf an. Und so passierte es ihm einige Male.

Fred lernte nach kurzer Zeit, rechtzeitig vor diesen dünnen Metallbäumen umzudrehen und so fing er an den lieben langen Tag hin und her zu gehen 5 Meter vorwärts, 5 Meter zurück, 5 Meter vorwärts, 5 Meter zurück und so weiter.

Fred vermisste die endlosen Weiten der kanadischen Wälder sehr und er wurde trauriger und trauriger. Eines Tages kam ein alter Mann mit seinem Enkelkind in den Zoo, wo sich Fred in diesem kleinen Gehege befand. Der Junge sah, dass Fred sehr traurig war. Er bat seinen Grossvater inständig, doch etwas dagegen zu tun. Und der Grossvater, ein ebenso sanftmütiger wie reicher Mann konnte dem Enkel diesen Wunsch nicht abschlagen. So spendete er dem Zoo einen grossen Betrag, ausreichend, um für Fred ein riesengrosses Gehege zu bauen.

Die Monate vergingen. Eines Tages kam ein freundlich lächelnder Mann zu Fred, redete beruhigend auf ihn ein, nahm das Gewehr an seine Schulter und schoss die Betäubungsspritze in Freds Schulter. Und Fred sank müde zu Boden.

Als er geraume Zeit später aufwachte, reckte und streckte er sich, sah sich um und war sehr glücklich. Denn was er sah, war das, was er so lange vermisst hatte, Freiheit, soweit das Auge reichte. Keine dünnen Gitterstäbe, kein harter Betonboden, sondern das, was er sich von früher gewohnt war: Wiesen, Felsen, Tannen, ja sogar ein kleiner Fluss war in der Nähe. Fred war wirklich überglücklich.

Er stand auf und ging los.....: 5 Meter vorwärts, 5 Meter zurück, 5 Meter vorwärts, 5 Meter zurück, den lieben langen Tag. Wo, so mögen wir uns fragen, ist Freds Käfig wirklich?