Splash - Newsletter #14: Selbstmodeling
Selbsmodelingleitfaden
- Identifizieren Sie eine Situation, die für Sie schwierig ist und für die Sie gerne mehr Ressourcen hätten. Das können Schwierigkeiten beim Lösen einer Aufgabe, eine belastende Gesprächssituation oder auch eine Situation sein, in der Sie einfach nicht so recht in die Gänge kommen. Benennen Sie das Problem und wählen Sie einen Wert auf einer Skala von 1 – 10 für die heutige Einschätzung der Schwierigkeit dieser Situation. Dabei steht der Wert 10 für die grösste Schwierigkeit. Schreiben Sie ein Stichwort für die Situation und den Wert auf einen Zettel, und legen Sie diesen im Raum auf den Boden.
- Lösen Sie sich von dieser Situation, indem Sie kurz aus dem Raum gehen, ein Glas Wasser trinken oder sich in einer beliebigen Form ablenken und damit vom Problem distanzieren. Diese Trennung von einem Zustand nennen wir einen Separator.
- Suchen Sie sich eine Position im Raum, von der Sie die Situation gut betrachten können. Schauen Sie auf diese Situation und betrachten Sie sich dissoziiert von Aussen. Sie sehen sich also so, wie Sie jemand anderer sehen könnte. Diese Position, bei der Sie von Aussen auf sich selber und den Prozess schauen, nennen wir Metaposition.
- Überlegen Sie sich aus der Metaposition, was Ihrem dissoziierten Selbst in dieser Situation fehlt und was es brauchen würde, um diese schwierige Situation/Aufgabe zu meistern. Schreiben Sie die erforderlichen Ressourcen auf Notizzettel und legen Sie diese zur Situation auf den Boden. Nehmen Sie einen Zettel pro Ressource.
- Tun Sie mal so, als ob Ihr dissoziiertes Selbst bereits Zugriff auf diese Ressourcen hätte und schauen Sie sich dabei zu, wie Sie mit diesen Ressourcen die Situation meistern. Checken Sie die Ressourcen anschliessend auf Vollständigkeit und Intensität in der Ausprägung. Gefällt und genügt Ihnen das, was Sie sehen? Oder fehlt noch etwas? Fügen Sie bei Bedarf nach demselben Verfahren weitere Ressourcen hinzu. Machen Sie solange weiter, bis Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.
- Machen Sie einen Zwischentest, schätzen Sie nun nach diesen fünf Schritten den Schwierigkeitsgrad erneut ein. Oft hat sich über diesen „Tu mal so als ob“-Ansatz das Problem verringert oder gar gelöst. Wenn ja, prima. Wenn nein, machen Sie den nächsten Schritt.
- Legen Sie eine imaginäre Zeitlinie im Raum aus, indem Sie einen Zettel für die Vergangenheit, einen für die Gegenwart und einen für die Zukunft auf einer Linie auf den Boden legen.
- Nehmen Sie eine der identifizierten Ressourcen. Stellen Sie sich vor, dass Sie diese Ressource bereits haben. Legen Sie die Hand auf die Stelle in Ihrem Köper, wo Sie diese spüren. Das ist Ihr „Suchanker“. Er wird sich immer dann bemerkbar machen, wenn Sie auf der Zeitlinie rückwärts gehen und auf eine Situation stossen, in der Sie diese Ressource zur Verfügung hatten.
- Halten Sie den Suchanker und gehen Sie sehr langsam, mit kleinsten Schritten auf der Zeitlinie rückwärts in die Vergangenheit. Den Blick haben Sie in die Zukunft gerichtet. Schliessen Sie die Augen und spüren Sie beim Rückwärtsgehen, wie sich das Gefühl Ihres Suchankers verändert. Bleiben Sie stehen, wenn sie spüren, dass Sie in einer ressourcevollen Situation sind. Diese kann manchmal ganz lange Zeit zurückliegen.
- Erkunden Sie die Situation: Schauen Sie sich in ihr um, fühlen Sie in sie rein, spüren Sie Ihre Ressource voll und ganz, wie sie jede Zelle Ihres Körpers erfasst und erfüllt. Wenn Sie richtiggehend gesättigt sind, gehen Sie weiter zurück. Bis Sie wieder auf eine solche Situation stossen. Tun Sie dort dasselbe. Erkunden Sie drei bis vier solche Situationen.
- Machen Sie dasselbe mit den übriggebliebenen Ressourcen, die Sie vorher identifiziert haben.
- Jetzt, wo alle Ressourcen in Ihnen wieder lebendig geworden sind, gehen Sie zur Stelle mit der schwierigen Situation zurück. Bringen Sie die Ressourcen wie ein Geschenk dorthin. Treten Sie mit diesen Ressourcen in die Situation und erleben Sie mit allen Sinnen, wie sich diese mit den wiedergefundenen Ressourcen verändert. Schauen Sie sich um, wie Sie das machen. Schauen Sie auch darauf, wie die anderen reagieren. Hören Sie sich selbst sprechen, und hören Sie, wie andere zu Ihnen sprechen. Spüren Sie Ihr Körpergefühl. Geniessen Sie, wie Sie diese Situation neu meistern.
- Skalieren Sie die Situation erneut mit einem Wert zwischen 1 und 10. Sie werden eine grosse Veränderung feststellen. Sind Sie zufrieden? Wenn nein, zurück zu Schritt vier. Sammeln Sie weitere Ressourcen. Wenn ja, machen Sie den nächsten Schritt.
- Ankern Sie den neuen Zustand als Ganzes, indem Sie eine Hand dort auflegen, wo Sie diese Ressourcen am meisten spüren. Das ist oft der Brust- oder Bauchbereich. Gehen Sie mit diesen Ressourcen auf der Zeitlinie aus der Gegenwart langsam, in kleinen Schritten, weiter in die Zukunft und spüren Sie, wie die Fähigkeiten mit jeder neuen gemeisterten Aufgabe weiterwachsen.
- Gehen Sie nun rückwärts in die Gegenwart. Der Prozess ist zu Ende. Verweilen Sie ein wenig: Lassen Sie das Gefühl nachwirken, und geniessen Sie das Ergebnis für eine beliebig lange Zeit, mindestens jedoch zehn Minuten.
Dieses Selbstmodeling wirkt unmittelbar. Es schafft den Ressourcen- und Lösungsraum, in dem neue Dinge geschehen können. Wichtig für die Nachhaltigkeit und für den Transfer in den Alltag ist, dass Sie sich schnell und wenn möglich wiederkehrend diesen Situationen, für die Sie die Ressourcen gefunden haben, stellen. Dort können Sie die reale Erfahrung machen. Wenn die Situation in weiter Ferne ist, also erst in Tagen oder Wochen auftreten wird, ankern Sie in der Zwischenzeit einmal täglich die gefundenen Ressourcen wie in Schritt vierzehn beschrieben.
